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Jazz wagen in Köln

Um 1960 wurde Köln zur Jazz-Stadt. Die Edelhagen-Big Band beim WDR und der Jazz-Studiengang an der Musikhochschule lockten, aber auch die Welt der Studios um EMI und Ariola, die gut bezahlte Gigs versprach. Dort wurde zwar nicht improvisiert, sondern brav zu Schlagern geblasen, doch in den diversen Combos fand man allemal Jazzer.

50 Jahre später ist Köln immer noch eine Jazz-Stadt. Einerseits erlebte Köln in den letzten Jahren einen kulturpolitischen Aufbruch, an dem einmal auch die freie Szene teilhatte. Andererseits sind es auswärtige Gigs und Studioproduktionen, die ein Auskommen bieten. Die Stadt Köln hat ihre Etats für die freien Szenen erhöht. Im Verbund mit der SK-Kulturstiftung und den Landesförderungen ist eine gewisse Grundlage für innovative Projekte entstanden, die zwar keine Absicherung von Musikerexistenzen bietet, doch das vorherige Tal hinter sich gelassen hat. Die Wirtschaftskrise schlägt allerdings auf die öffentlichen Haushalte durch, zumal auf die der Kommunen, und wird, bleibt das System der Projektförderung, wieder unsicherer werden. Auf Initiative der Bundeskulturstiftung bildete sich das Netzwerk Neue Musik Köln: Unter den über 30 Partnereinrichtungen, die an den Bundesfördermitteln von 800.000 Euro über vier Jahre hinweg teilhaben, finden sich auch solche, die für Improvisierte Musik eintreten. Ausgeweitet sind auch die Sendeplätze für Jazz im Hörfunkprogramm des WDR. Der Umzug von WDR 5 zurück zu WDR 3 ist dem Jazz nicht schlecht bekommen: 73 Stunden monatlich machen die regelmäßigen Jazzsendungen im Hörfunkprogramm des WDR aus. Neben Archiv- und Tonträgersendungen erklingen auch Neuproduktionen.

Die Jazzer, die auf GEMA-Ausschüttungen angewiesen sind, verlieren mehr und mehr diese Einnahme. Als sogenannte Selbstaufführer sind sie dem Bemühen einiger Kreise ausgesetzt, ihren Anteil an den Ausschüttungen zu schmälern. Man will nicht verstehen, dass die Musikwelt von der Kreativität der Jazzer auch dann profitiert, wenn ihre Kompositionen nicht in ein allgemeines Repertoire eingehen. Parallel dazu forciert die Musik-Piraterie im Internet eine Entwicklung, die die musikalischen Urheber bald ganz von der Wertschöpfung ihrer Kreativität abschneiden wird. Das sogenannte Live-Segment gewinnt dabei neue Aufmerksamkeit: Auch die Kölner Jazzer konzentrieren sich wieder auf Konzerte und Tourneen, die CD-Produktion taugt allenfalls dazu, die Konzertarbeit zu bewerben.

Immer noch zu wenig im Fokus der Kulturförderung sind die Spielstätten. Sie sind das Herz der Jazzszene. Ohne sie gibt es keinen Impulsaustausch und kein Musikleben von Ausstrahlung. Für den Jazz in Köln sind Stadtgarten, Loft, mittlerweile auch das Alte Pfandhaus und kleinere Stätten lebensnotwendig. Ihrem Magnetismus ist es maßgeblich zu verdanken, dass es in Köln lebendigen und international beachteten Jazz gibt. Selbstverständlich ist das nicht – ihre öffentliche Unterstützung ist kulturpolitisch unabdingbar.

Wer sich als freier Musiker dem Jazz verschreibt, braucht Mut, um seinen Weg unter diesen Bedingungen zu gehen. Köln hat nach wie vor bemerkenswert viele von diesen Mutigen. Sie leben und spielen spannende künstlerische Konzepte – gut, dass man einige in der Musiknacht erleben kann.

Robert v. Zahn