Liebes Publikum,

Straßen, Geschichten und Lebensläufe kennen gleichermaßen Punkte, an denen sich der weitere Weg entscheidet : › Kreuzungen ‹. Auch die Musikgeschichte wurde immer wieder bestimmt von neue Richtungen aufzeigenden Komponisten, Interpreten, Ansätzen, Technologien, Schlüsselwerken. Von › Kreuzungen ‹ sprechen aber auch Zoologie und Botanik, wenn sich zwei Tier- bzw. Pflanzenarten zu einer dritten verbinden. Ebenso kennt Musik abenteuerliche Verbindungen verschiedenster Instrumente, Stimmen, Töne, Sparten, Stile, Dialekte, Epochen und Kulturkreise. Sie existieren seit Jahrhunderten unter Bezeichnungen wie Zitat, Parodie, Collage, Montage, Crossover, Stilmix, Mashup, Multimedia, Transmedia, Intermedia. In Bezug auf die Materialerweiterungen der 1960er Jahre sprach Theodor W. Adorno von einer › Verfransung der Künste ‹. Und dank Digitaltechnologie, Interfaces und neuen Medien verwächst Musik auch heute labyrinthisch mit Tanz, Theater, Literatur, Video, Malerei, Licht, Skulptur, Architektur, Natur und Alltagswelt. Die Ergebnisse sind phantastische Chimären, Mischwesen, Androide, Avatare, Hybride …

Die quirlige Kölner Musikszene ist ein dampfendes Treibhaus für derlei Blüten und Triebe. Bekannt für Grenzüberschreitungen, sprengt man akademische Schranken, wildert in fremden Gefilden, unternimmt experimentierfreudige Brückenschläge und waghalsige Gratwanderungen zwischen verschiedenen Sparten und Stilen. Zudem ist die dynamische Kölner Szene ein faszinierendes Migrationsphänomen, zusammengesetzt aus Musikerinnen und Musikern der ganzen Welt. Der hiesige Horizont war schließlich – aller selbstzufriedenen Nabelschau zum Trotz – immer schon weiter als andernorts, nicht zuletzt dank der europaweiten Schifffahrts- und Handelswege, die sich in der alten Hansestadt kreuzten. Zugleich touren Musiker von Köln aus rund um den Globus, wo sie fremde Länder, Menschen und Musikformen kennenlernen. Die Mobilität von Personen, Ideen, Medien, Musizier- und Aufführungstraditionen gipfelt in einer unglaublichen Vielfalt sowie in der zentralen Einsicht, die künstlerisches Handeln wesentlich antreibt: Es geht auch ganz anders! Höchste Zeit also für die 11. KÖLNER MUSIKNACHT 2015, unter dem Motto › Kreuzungen ‹ herausragende Ergebnisse solch stil- und spartenübergreifenden Arbeitens in den Fokus zu stellen.

Veranstaltet wird die KÖLNER MUSIKNACHT seit 2005 vom Initiativkreis Freie Musik (IFM), dem Zusammenschluss der freiberuflichen professionellen Kölner Musikerinnen und Musiker, Ensembles, Veranstalter und Spielstätten. Erstmalig werden dieses Jahr nur Orte der Kölner Innenstadt bespielt, die leicht zu Fuß erreichbar sind. Diese äußere Konzentration steckt den Rahmen ab für eine programmatisch umso größere Vielstimmigkeit unseres globalen Dorfs mit Jazz, Elektronik, Klassik, Alter, Neuer, Globaler, Improvisierter Musik und all den › Kreuzungen ‹, die sich solchen Etikettierungen entziehen. Als Partner beteiligen sich KölnTourismus und das Kulturradio WDR 3. Wichtige Unterstützer sind das Kulturamt der Stadt Köln und die Stabstelle Events, der Landesmusikrat NRW und die Akademie für Kommunikationsdesign. Alle Kooperationen und Hilfen sind uns dankenswerte Ermutigungen bei der Vernetzung der musikalischen Akteure in Stadt und Land. Viel Freude beim Flanieren und Hören!


Rainer Nonnenmann
INITIATIVKREIS FREIE MUSIK